22.09.2014

i3mainz begleitet Forschungsreise in die Mongolei

3D-Vermessungsarbeiten mit Streifenlichtscanner an der Bugut-Stele im Zayain Gegeeni Süm Kloster. i3mainz, CC BY SA 4.0
Wie lassen sich alte, stark verwitterte Steininschriften wieder lesbar machen? Mit dieser Frage befasste sich im August 2014 ein interdisziplinäres Team aus Mainz, Istanbul und Paris wäh­rend einer Forschungsreise in die Mongolei.

Die Philologen Dr. Dieter Maue und Prof. Dr. Mehmet Ölmez (Yıldız Teknik Üniversites Istanbul) widmen sich der Aufgabe, die Inschriften der Bugut-Stele im Zayin Gegeniin Süm Kloster in Tsetserleg (1586 gegründet) und einer weiteren Stele im Nationalmuseum von Ulan Bator zu analysieren. Die Übersetzung dieser Glyphen könnte von großer historischer Bedeutung sein, allerdings sind die Schriftzeichen beschädigt, stellenweise sogar vollständig zerstört. Herkömmliche Methoden der Archäologie wie Rubbings und Oberflächenfotos sind nicht ausreichend, um den Inhalt zu entschlüsseln.

Daher setzen die Philologen auf die Unterstützung des i3mainz. Es verfügt über weitreichendere Methoden zur Auf­nahme alter Inschriften und hat diese bereits im 3D-Sutren-Projekt in China angewandt. In dessen Auftrag begleiteten Tobias Reich und Jens Bingenheimer die Forscher in die Mongolei.

Bei der Expedition kam der GOM III Streifenlichtscanner zum Einsatz, der als Ergebnis drei­dimensionale, farblose Modelle der Steinsäulen liefert. Darüber hinaus fertigte das Team mit einer Nikon d800 Spiegelreflexkamera hochauflösende Bilder an, die der Texturierung der digitalen 3D-Modelle dienen.

Mit den gesammelten Daten befassen sich derzeit wissenschaftliche Mitarbeiter des i3mainz. Zur weiteren Bearbeitung der 3D-Modelle gehört das sogenannte „Waterfilling“. Es er­möglicht, die oberste Schicht des Modells abzutragen und so die Schäden am Original in der Computerdarstellung zu reduzieren. Damit verbessern sich die Chancen, die Inschriften zu entziffern und deren Entstehungszeit genauer einzugrenzen.

Finanziert hat die Expedition die TİKA (Turkish International Cooperation and Development Agency). Neben den am Projekt unmittelbar beteiligten Personen begleiteten der Historiker und Orientalist Étienne de La Vaissière, Direktor der Pariser École des Hautes Études en Sciences Sociales sowie der Sprachwissenschaftler Alexander Vovin von der School for Advanced Studies in the Social Sciences Paris die Gruppe und steuerten ihre Expertise bei.

Zusätzlich zu dem ursprünglich geplanten Vorhaben fotografierte das i3mainz-Team während des Transfers von Ulan Bator nach Tsetserleg (ca. 450 km) weitere Steinsäulen, um mit der Methode structure from motion (SFM) ebenfalls 3D-Modelle zu generieren, die jedoch über eine geringere Auflösung verfügen.

Auch wenn die Entzifferung und Übersetzung der Glyphen noch andauern wird, ist ein wichtiges Zwischenergebnis der Expedition erreicht: Die nach wie vor der Witterung ausgesetzten Artefakte und deren Inschriften sind für die historische und sprachwissenschaftliche Forschung gesichert. Wie die Reise zugleich augenfällig machte, bietet die geschichtliche Forschung in der Mongolei noch ein weites Feld für Methoden der 3D-Objekterfassung und -mo­dellierung zur Analyse relevanter Zeugnisse früherer Epochen.